Kurze Inhaltsangabe:
Zwei Fragen, die die Menschheit seit eh und je bewegen. In unserer Zeit danach
zu fragen ist Thema der Sendung.
Sie konzentriert sich dabei auf einige wesentliche Aspekte. Persönlichkeiten
wie Arnulf Baring, Eugen Drewermann, Gertrud Höhler und Ulrich
Hommes geben eine Antwort. In erster Linie geht es um die Glücksvorstellungen
bei Kindern und Jugendlichen, um Glücks-versprechen in der Werbung
und der Politik.
Es geht um das Phänomen 'Weltangst', die sich nicht zuletzt durch
die Zerstörung der Umwelt immer stärker ausbreitet. Von der
Existenzangst, die nach der Wiedervereinigung eine neue Dimension angenommen
hat, wird berichtet und von Ängsten, die von der Kirche geschürt
werden.
Gertrud Höhler
„Wohin wir auch blicken: Werbung, Politik und Vergnügungsindustrie
betören uns mit Glücksversprechen und die Erfüllung unserer
Glücksträume erscheint uns käuflich“, konstatiert
die Autorin Gertrud Höhler, „unsere Gedanken und Empfindungen
erliegen aber der Gleichschaltung, wenn wir uns den Märkten des
genormten Glücks anvertrauen. Unsere Sinne verkümmern, wir
schmieden unser Glück nicht mehr auf eigene Faust, beziehen es
„second hand“. Was ist aber das Glück im eigentlichen
Sinne? Eine Gabe der Götter? Belohnung des Tüchtigen, Frucht
der Tugend? Oder ist Glück ein altes Privileg der Herrschenden,
das nun verteilt wird an uns alle? Ist das Glück heute –
im Jahrhundert der Glücksindustrien, der Sozialgeschenke und käuflichen
Sicherheiten – tatsächlich gerecht und gleich verteilt? Sind
wir wirklich alle glücklicher geworden?“
Eugen Drewermann
Eugen Drewermann: Eine Menge Menschen werden daran, wie sie den christlichen
Glauben kennen lernen, zutiefst unglücklich, ja sogar neurotisch.
Die Kirchen - die katholische womöglich noch mehr als die evangelische
- verbreiten Angst und Schuldgefühle, um die Menschen zu zensieren
und gefügig zu halten. Aber Glauben im Sinne Jesu ist eine Haltung
des Vertrauens. Eben nicht der Doktrin, sondern der persönlichen
Unmittelbarkeit zu Gott. Solches Vertrauen ist angstlösend, nicht
angstbindend. Es schafft Spielräume, anderen Menschen zu begegnen,
und hilft, mit den persönlichen Schwierigkeiten des Lebens fertig
zu werden. Vertrauen ist eine unerlässliche Voraussetzung zum Glücklichsein.
Glück haben kann heißen, im Lotto zu gewinnen, an die richtige
Frau zu geraten oder im Beruf einen unerwarteten Erfolg zu feiern. Dieses
Glück verknüpft den Menschen mit dem Zufälligen und macht
aus dem Leben ein Lotteriespiel. Das als das eigentliche Glück
zu bezeichnen wäre ein Unglück. In einer wesentlichen Bestimmung
des Glücks geht es nicht darum, Glück zu haben, sondern glücklich
zu sein. Das setzt voraus, sich gefunden und sein Wesen so weit gestaltet
zu haben, dass man begreift, wer man ist.
Angst gehört zum Wesen des Menschen. Lebewesen mit Bewusstsein
und Freiheit sind ohne Angst nicht denkbar. Die entscheidende Frage
ist, wie sie mit ihrer Angst umgehen. Häufig wird der Mensch in
seiner Angst vor anderen Menschen selbst fürchterlich und produziert
Waffen, um sie zu bedrohen. Die Angst vor Minderwertigkeit kann dazu
treiben, Macht und Geltung im Übermaß zu beanspruchen. Kurz:
Angst, die mit sich selbst alleine bleibt, gerät zu einem Teufelskreis
von Unglück und Leid. Sie lässt sich aber überwinden
durch Vertrauen.
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