Kurze Inhaltsangabe:
Marc
Aurel wurde am 26. April 121 nach Christus als Sohn einer reichen und
vornehmen Senatorenfamilie in Rom geboren. Seine Eltern waren M. Annius
Verus und Domitia Lucilla. Bei seiner Geburt bekam Marcus den Beinamen
des mütterlichen Großvaters Catilius Severus. Erst später
erhielt er den Namen Marcus Aurelius Antoninus, mit dem er in die Geschichte
einging. Später bekam Marcus noch eine jüngere Schwester namens
Annia Cornificia Faustina. Sein Vater starb leider schon, als Marcus
erst acht Jahre alt war, während seiner Amtszeit als Prätor
128/129 nach Christus. Sein noch äußerst rüstiger Großvater
jedoch, der ebenfalls Annius Verus hieß, überlebte diesen
um über ein Jahrzehnt. Er war sehr engagiert in der Politik und
dreimaliger Konsul. Nach dem Tod des Vaters adoptierte der Großvater
den jungen Marcus, und der Knabe bekam den Beinnamen der väterlichen
Familie Annius Verus. Zu seiner Mutter hatte Marcus ein liebevolles
Verhältnis, was aus seinen "Selbstbetrachtungen hervorgeht:
Vom Großvater Verus Güte und Gelassenheit. Vom Ruf und von
der Erinnerung an meinen Vater Sittlichkeit und Männlichkeit. Von
der Mutter Frömmigkeit und eine offene Hand, dazu nicht nur die
Abneigung, Böses zu tun, sondern sich auch nicht bei derlei Gedanken
aufzuhalten; ferner Einfachheit im Lebenswandel und Abstand zur Lebensweise
der Reichen.
I seinen "Selbstbetrachtungen" schreibt Marc Aurel auch über
seine Erzieher. Er scheint eine sehr schöne, behütete Kindheit
verlebt zu haben. Besonders hervor hebt er seinen Erzieher Diognetus,
ein Freigelassener, der ihn als erster in die Philosophie einführte
und ihm auch später verbunden geblieben ist. Unterrichtet wurde
Marcus sowohl während seiner Elementarschulzeit, wo er Lesen, Schreiben
und Rechnen lernte, als auch später beim Grammatikunterricht von
Privatlehrern. Insgesamt soll Marcus siebzehn Lehrer gehabt haben, unter
ihnen auch ein Stoiker, ein gewisser Junius Rusticus, der später
zu Marcus Kaiserzeit zu einem seiner wichtigsten Berater wurde. Schon
mit knapp zwölf Jahren begann Marc Aurel sich für die stoische
Philosophie zu interessieren und beschloß wie ein Stoiker zu leben.
Er besorgte sich einen weiten Umhang, wie ihn die Philosophen gerne
trugen, und wollte auf dem Boden schlafen.
Zu dieser Zeit war Kaiser Hadrian an der Macht. Da Hadrian keinen leiblichen
Nachfolger hatte, mußte er sich anderweitig nach einem Nachfolger
umsehen. Durch die Tätigkeiten und politische Karriere von Marcus
Großvater Annius Verus fiel Hadrians Blick auf Marcus, und er
förderte ihn und verlieh ihm öffentliche Auszeichnungen. Im
üblichen Alter, nach dem vollendeten vierzehnten Lebensjahr, erhielt
Marcus im Jahr 136 die Männertoga. Sein Großvater arrangierte
kurz darauf seine Verlobung mit Ceionia Fabia, eine Tochter aus bester
Familie. Hadrian adoptierte deren Vater Lucius Ceionius Commodus und
bestimmte diesen als seinen Nachfolger. Im Mai 136 wurde Marcus die
Ehre zuteil während des Latinerfestes drei Tage lang als Stadtpräfekt,
die Stadt Rom verwalten zu dürfen. Diese Aufgabe meisterte Marcus
hervorragend und mit viel Einsatz. Hadrians Nachfolgepläne gingen
jedoch nicht auf, da Lucius Ceionius Commodus schon vor ihm verstarb.
Nun war Hadrian gezwungen seine Nachfolge neu zu regeln. Er adoptierte
im Jahr 138 Marcus Onkel Aurelius Antoninus, der im Jahr 120 Konsul
gewesen war. An diese Adoption knüpfte Hadrian die Bedingung, daß
dieser wiederum Marcus adoptieren mußte.
Am 10. Juli 138 starb Hadrian, und Antoninus wurde durch den Senat als
sein offizieller Nachfolger bestätigt. Antoninus bekam bald den
Beinamen "Pius", "der Fromme". Antoninus Pius annullierte
die bisherige Verlobung von Marcus und gab Marcus seine Tochter Annia
Galeria Faustina. Marcus setzte seine politische Laufbahn fort. Am 1.
Januar 139 erhielt Marcus im Alter von achtzehn Jahren die Quästur.
Marcus bewunderte seinen Adoptivvater Antoninus Pius sehr. Dies wird
dadurch deutlich, daß er ihm über ein Drittel des ersten
Buches seiner "Selbstbetrachtungen" widmet. Besonders an ihm
schätzt er, wie souverän dieser seine Regierungstätigkeit
meistert, mit wieviel Milde und Ausdauer dieser regiert, und wie wenig
er sich selbst aus dem Volk heraushebt.
Marcu widmete sich weiterhin philosophischen Studien, und er durchlief die
politische Ämterlaufbahn bis hin zum Konsul. Im Mai 145 heiratete
er seine Verlobte Faustina. Sie gebar Marcus im Laufe ihrer Ehe insgesamt
dreizehn Kinder, darunter auch Marcus späterer Nachfolger Aurelius
Commodus.
Am 7. Mai 161 starb Antoninus Pius, und Marcus bestieg mit vierzig Jahren
den Thron. Er versuchte ganz nach dem Vorbild seines Adoptivvaters,
soviel Gutes wie möglich zu tun. Trotzdem war der friedvolle Philosoph
Marc Aurel gezwungen, sein Reich in dauernden Kriegen vor dem Zusammenbruch
zu bewahren. Er kämpfte gegen die Jazygen, die Quaden und die Markomannen
und schlug sich dabei sogar recht erfolgreich.
Trotzdem ging Marc Aurel nicht als Feldherr, sondern als Philosoph in die Nachwelt
ein. Dies ist besonders aus die von ihm geschriebenen "Selbstbetrachtungen"
zurückzuführen, in denen seine stoische Haltung zum Ausdruck
kommt. Auch als er im Jahr 180 an Pest erkrankte, sah er seinem Tod
mit der typisch stoischen Gelassenheit entgegen. Er legte sich aufs
Bett, zog sich ein Leinentuch über den Kopf und wartete auf den
Tod. Daß er sich nicht vor dem Tod ängstigte zeigt auch der
letzte Satz seiner "Selbstbetrachtungen": Geh also heiter
aus dem Leben; denn der, der dich entläßt, tut es heiter.
Am 17. März 180 starb Marc Aurel in Vindobona, dem heutigen Wien.
Des weiteren läßt sich aus den "Selbstbetrachtungen"
erkennen, daß Marc Aurel, als Herrscher und Philosoph, nicht die
Utopie von Platons Idealstaat, einem Staat, in dem die Philosophen Herrscher
sind oder die Herrscher philosophieren, verfolgte, sondern sich zu einer
Reformpolitik der kleinen Schritte bekannte. Dies wird deutlich durch
den Satz: Hoffe nicht auf Platons Idealstaat, sondern gib dich zufrieden,
wenn es ein ganz klein wenig vorangeht, und ziele auf diesen Ausgang,
wie gering er auch ist.
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