Kurze Inhaltsangabe:
1902
kommt Rainer-Maria Rilke zum ersten Mal nach Paris. Der Anziehungspunkt
für den jungen Dichter ist der 60-jährige Bildhauer Auguste
Rodin. Rilke ist von den Skulpturen und dem Wesen des Meisters so fasziniert,
daß er ein Buch darüber schreibt und Vortragsreisen unternimmt.
Er versteht es, die einzelnen Werke, die er im Atelier bewundert, in
seiner dichterischen Sprache in einmaliger Weise zu interpretieren.
Nach Rilkes Beschreibungen entstand der Film an den Wirkungsstätten
Rodins: in seinem Atelier in Meudon und im Pariser Rodin-Museum.
Paris
Rainer-Maria Rilke
Rodin, der auch der Lehrer von Clara Westhoff war, soll die prägende
Person in Rilkes nächstem Lebensabschnitt werden. Mit dem Auftrag,
eine Monographie über den Bildhauer zu schreiben, begibt sich dieser
im August 1902 nach Paris. Rodin ist 35 Jahre älter als Rilke,
ein etablierter und vielbeschäftiger Künstler. Aber er nimmt
sich Zeit für den jungen deutschen Dichter, der noch Probleme mit
dem Französischen hat. Rilke ist bald ein regelmäßiger
Gast in Rodins Atelier. Der Bildhauer vermittelt ihm sein Kunstverständnis
und vor allem seine Arbeitsmoral: "Il faut travailler, rien que
travailler, et il faut avoir patience." Die Verschiedenheit der
Temperamente belastet jedoch die Beziehung, und so kommt es 1906 zu
einem Bruch. Man versöhnt sich im folgenden Jahr, und Rilke wird
noch einmal Rodins Sekretär, aber 1907 folgt das endgültige
Zerwürfnis.
Zu Zeiten ihrer Freundschaft weist Rodin ihn in die Kunststadt Paris
ein. Mit ihrem unerschöpfliches Reservoir an schönen Eindrücken
in Museen, Parks und Boulevards versorgt diese den Dichter mit Motiven
für seine "Dinggedichte", wie "Das Karussell"
oder "Archaïscher Torso Apollos". Rilke veröffentlicht
diese Eindrücke in den Bänden Neue Gedichte und "Der
neuen Gedichte anderer Teil". Das Paris der Jahrhundertwende ist
aber auch eine moderne, anonyme Metropole, an deren Rohheit Rilke zu
zerbrechen droht, wie zuvor in der Militärakademie. Das Elend des
mechanisierten Großstadtlebens ist ein Hauptmotiv des Romans "Die
Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge".
Auguste Rodin
Der am 12. November 1840 in Paris geborene Künstler, begründete
eine Stilrichtung, die man als Impressionismus in der Plastik bezeichnet
hat. Die Oberfläche seiner Skulpturen ist weich und bewegt durchformt,
so daß ein reiches Spiel von Licht und Schatten malerische Wirkungen
erzeugt.
Oft wird der Reiz des Unvollendeten und Torsohaften gesucht, und zuweilen
sind die Figuren nur so weit aus dem Block hervorgearbeitet, daß
das Wesentliche in Erscheinung tritt. Rodin war zwar dem Neubarock seiner
Zeit verpflichtet, aber die stärksten künstlerischen Eindrücke
empfing er von Michelangelo.
Er hat in seinen Werken
immer neue Möglichkeiten gefunden, seelische Erregungen, wie Lust,
Leidenschaft und Verzweiflung, in der Ausdruckssprache des Körpers
und ins Allgemeinmenschliche erhoben darzustellen. In den Bildnissen
wußte er das Psychische zu erfassen, indem er die nuanciertesten
Regungen eines Gesichts wiedergab.
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