Kurze Inhaltsangabe:
In
der Zeit des Nazi-Terrors hatte sich das Haus in der Kaulbachstr. zu
einem Zentrum des kirchlichen Widerstands entwickelt. Seit 1921 gehört
das Gebäude den Jesuiten. Hier hatte ihr Provinzial Augustinus
Rösch seinen Sitz für die Oberdeutsche Provinz des Ordens.
Kaum im Amt begannen für ihn die Auseinandersetzungen mit den Nazis.
Er, der im I.Weltkrieg als Offizier mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse
ausgezeichnet wurde, scheute sich nicht, den Kampf gegen Unrecht und
Verbrechen aufzunehmen. In der Kaulbachstr. fanden u.a. geheime Treffen
mit der Widerstandsgruppe des Kreisauer Kreises statt. Als die Nazis
1941 mit dem großen Klostersturm begannen, rang hier der Ausschuß
für Ordensangelegenheiten darum, wie sie die deutschen Bischöfe
auf einen Konfrontationskurs mit dem III.Reich bringen könnten.
Papst Pius XII. lobte zwar des öfteren den Mut dieser Männer
und bekräftigte sie in ihren Vorhaben, er selbst aber zog es vor,
sich nicht direkt einzumischen.
Augustinus Rösch
Aktiver Widerstand gegen die Staatsgewalt widersprach der kirchlichen
Lehre. Dennoch gab es in München einen kleinen Kreis von Jesuiten,
die aus einer sehr konsequenten Ablehnung der Rechtlosigkeit und der
Verbrechen des NSRegimes in den Widerstand gingen. Augustinus Rösch
befand sich schon seit seiner Ernennung zum "Provinzial" der
süddeutschen Jesuiten in einem ständigen Kleinkrieg mit den
NSBehörden. 1941 rief er mit seinem Mitbruder Lothar König
und anderen Mitstreitern einen "Ausschuß" ins Leben,
der die Kirche zu einem härteren Vorgehen gegen das Regime bewegen
sollte. Trotz unermüdlicher Tätigkeit scheiterte der "Ausschuß"
an dem mangelnden Mut der Bischöfe. Gleichzeitig wurden Rösch
und König Mitglieder des "Kreisauer Kreises", der konspirative
Pläne für ein Deutschland nach dem Nationalsozialismus entwarf.
Sie führten dort ihren Münchner Mitbruder Alfred Delp ein,
der zusammen mit König maßgeblich an den Grundsatzpapieren
des Kreises mitarbeitete. Nach dem 20. Juli 1944 wurde Delp zum Tode
verurteilt. Rösch blieb bis zum Kriegsende im Gefängnis, König
konnte sich verstecken.
Alfred Delp
Erst nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 gelang es der
Gestapo, den Kreisauer Kreis aufzuspüren und dessen Mitglieder
zu verhaften. Delps Freunde rieten ihm, da er auch Verbindung zum Attentäter
von Stauffenberg hatte, unterzutauchen. Doch er weigerte sich, wurde
am 28. Juli verhaftet und nach Berlin verbracht, wo er in drei Gefängnissen
festgehalten wurde: im Gestapo-Gefängnis Lehrter Str. 3, in der
Haftanstalt Tegel und im Hinrichtungsgefängnis Plötzensee.
Nach schrecklichen Wochen der Folterungen und Verhöre
in Gestapo-Händen wurde er mit den übrigen Kreisauern in Tegel
zusammengelegt, wo er eine tiefgehende literarische Tätigkeit entfaltete:
Er verfasste Advents - und Weihnachtsmeditationen, Aufzeichnungen zu
einem "Theonomen Humanismus", zur "Erziehung des Menschen
zu Gott", über "Das Schicksal der Kirchen" und über
"Deutschland". Am 9. Januar 1945 führte der Volksgerichtshof
den Prozess unter dem berüchtigten Richter Freisler durch. Die
Angeklagten wurden vorgeführt, beschimpft, für ehrlos erklärt
und zum Tode verurteilt, wobei die redlichen Verteidigungsbemühungen
der Angeklagten die Wut des Vorsitzenden nur noch steigerten.
Als Alfred Delp von den nachfolgenden
Hinrichtungen seiner Mitstreiter erfuhr und jede Hoffnung auf ein Überleben
aufgeben musste, kam er der Verzweiflung nahe, fand jedoch seine innere
Fassung durch die völlige Hingabe an Gottes Willen wieder. So schrieb
er im Bewusstsein des nahenden Todes: "Das allgemeine Schicksal,
meine persönliche Lage, die Entscheidungen der nächsten Tage
..... alles sammelt sich in das eine: Mensch, lass dich los zu deinem
Gott hin und du wirst dich selbst wieder haben. Jetzt haben dich andere,
sie quälen dich und erschrecken dich und jagen dich von einer Not
in die andere. Dann die Freiheit, die singt: Kein Tod kann uns töten!"
Am 23. Januar 1945: "Heute ist ein harter Tag. Nun sind alle meine
Freunde und Gefährten tot, nur ich bin zurückgeblieben .......
Ich bin sehr müde vor Traurigkeit und Schrecken ..... Mehr als
je steht mein Leben nun absolut auf Gott. Ich bete und vertraue und
übergebe und verlasse mich auf den Herrn."
Am 2. Februar 1945 gegen 15 Uhr wird Alfred Delp im hässlichen Hinrichtungsschuppen von
Plötzensee gehenkt. Er hat sich bis in die letzten Stunden seines
Lebens mit seinen Visionen auseinandergesetzt: der Vision einer sozialen
und gerechten Gesellschaft, der Vision einer menschenfreundlichen und
dienenden Kirche und der Vision eines neuen anbetenden Menschen. Ganz
bewusst verstand er seine Gedanken als Dienst am Nächsten und hinterlässt
uns damit ein dauerndes Vermächtnis: "Wenn der Herrgott
diesen Weg will - und alles deutet darauf hin - dann muss ich ihn freiwillig
und ohne Erbitterung gehen. Es sollen einmal andere besser und glücklicher
leben können, weil wir gestorben sind."
Rupert Mayer
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges betrachtete Pater Rupert Mayer
es als seine wichtigste Aufgabe, den Menschen in ihren wirtschaftlichen
und seelischen Nöten beizustehen und sie im Glauben zu bestärken.
Bis zu 70 Predigten hielt er monatlich in und um München. Anfang
der Dreißiger Jahre nahm der Nationalsozialismus erste Konturen
an. Rupert Mayer erkannte die Gefahr und erhob früh seine Stimme
dagegen. Von 1937 an versuchten die Nationalsozialisten, ihn mundtot
zu machen. Er wurde erstmalig festgenommen und zu sechs Monaten Haft
auf Bewährung verurteilt. Wegen „fortgesetzten Vergehens“
gegen den sogenannten „Kanzelparagraphen“ - Mayer hatte
gepredigt, dass der Mensch Gott mehr gehorchen müsse als den Menschen
- wurde er danach sechs Monate in der Strafanstalt in Landsberg inhaftiert.
Nach seiner Freilassung aber predigte Mayer unerschrocken weiter und
wurde erneut verhaftet. Die Nazis internierten ihn 1939 im Konzentrationslager
Sachsenhausen. Dort magerte er rapide ab und schwebte in akuter Lebensgefahr.
Unter der Maßgabe, daß seine Vorgesetzten ihm Predigtverbot
erteilen, ließ ihn die Gestapo aus dem KZ frei und übergab
ihn der Benediktinerabtei Ettal zur Klosterhaft (1940-45). Wieder zurückgekehrt
nach München war Pater Rupert Mayer körperlich völlig
aufgezehrt. Am 1. November 1945 starb er nach der heiligen Messe in
der Kreuzkapelle in der Münchner St. Michaelskirche.
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